Familienverband
seit 1884
v. Brockhusen  -  v. Brockhausen  -  v. Bruchhausen

FAMILIENREISE 2006 nach Hinterpommern

Wappen 3d

Auf den Spuren unserer Ahnen
Gemeinsame Familienreise nach Hinterpommern

Bevor endlich alle Teilnehmer in Berlin am Donnerstagmorgen zusammen im Bus saßen, hatten die meisten schon eine längere Anreise hinter sich. Der Bus startete in Ludwigshafen  um 23°° am Abend vorher und nahm unterwegs noch Friederike und Elke und Friedrich Franke in Halle auf. Als wir dann schließlich gegen 13°° in Cammin eintrafen, hatten einige schon 14 Stunden Busfahrt hinter sich!

Dafür genossen wir dann um so mehr die Besichtigung des Camminer Doms und das spontan nur für uns organisierte Konzert an der wunderbaren Orgel - die Einstimmung auf drei erlebnisreiche und unvergessliche Tage in der Heimat unserer Vorfahren. Beeindruckt waren alle von der Ausgestaltung des Doms, den schönen Schnitzereien und natürlich von der noch erhaltenen  ursprünglichen Chorbank mit dem Wappen unserer Familie.

Hier hatte also schon so mancher unserer Vorväter auch den Gottesdienst miterlebt. Aus der Umgebung Groß Justins hin und wieder zurückzufahren, war sicherlich damals mit der Kutsche fast ein Tagesausflug.

Von hier ging es mit dem Bus dann weiter über Schwirsen und Klein Justin nach Groß Justin. Was wir an diesem Tag noch alles erlebten, berichtet nun Berndt-Harald Kriebitzsch.

1.Tag

Die von Marion vorzüglich geplante und durchorganisierte Familienfahrt sah eine Zusteigemöglichkeit am Donnerstag den 25.Mai gegen 7.30 Uhr am Hotel "Berliner Ring" in Berlin-Dahlewitz vor. So starteten wir, d.h. Hildegard, Sebastian und ich am Mittwochmittag in Richtung Berlin und erreichten nach ca. 5 Stunden problemlos den vorgegebenen Treffpunkt. Im Hotel trafen wir noch am Abend Patricia Douqué, Heidi und Peter Gundermann und Greti und Reinhard Zink. Die frühe Uhrzeit für die morgige Weiterfahrt vor Augen, wurde der Abend trotz der Wiedersehensfreude nicht zu sehr ausgedehnt, schließlich wollten wir ausgeruht den nächsten Tag erleben. Der Wecker stand auf 6.30 Uhr, damit wir in Muße unsere Sachen packen, frühstücken und bezahlen konnten. Jedoch nicht der Wecker warf uns aus dem Bett, sondern das Brummen eines Busmotors und vor allem wohl bekannte Stimmen, die durch das geöffnete Hotelfenster drangen.

Nach einem gemeinsam eingenommenen Frühstück - auch Bodo und Edith waren inzwischen Morpheus’ Armen entrissen - ging es dann pünktlich mit dem fast voll besetzten Bus auf der A 11 in Richtung Stettin. Der Grenzübertritt in Pommellen verlief so problemlos und schnell, dass Marion es nicht glauben wollte und einen 2. Versuch startete. Aber auch der zweite Versuch verlief ohne Schwierigkeiten. So ging es weiter in Richtung Norden, an Stettin vorbei zum ersten Haltepunkt in Cammin . Dort wurde im Dom ein Kirchenstuhl mit dem Familienwappen besichtigt und ca. 20 Minuten einem Orgelkonzert gelauscht. Zudem bestand die Möglichkeit, Geld zu tauschen und sich bei Bedarf mit Essbarem und Getränken zu versorgen.

In Abänderung der Planung fuhren wir dann nicht nach Rewahl, sondern direkt nach Groß Justin, zunächst zur Kirche und dem Friedhof. Dort wurden wir von einem deutsch sprechenden katholischen Vikar begrüßt, der uns auf 16.00 Uhr zu Kaffee und Kuchen in das Gutshaus von Groß Justin einlud, das inzwischen als Schule genutzt wird und aus diesem Grunde immer noch in einem recht guten Erhaltungszustand ist. Am Eingang begrüßte uns der örtliche Pfarrer - etwas 'Don Camillo ' ähnelnd - und lud uns zu einer gemeinsamen 'Deutsch-Polnischen -Abendmesse 'um 18.00 Uhr in die Kirche ein. Doch zunächst wurden wir rührend mit Kaffee und Kuchen im ehemaligen Festsaal- jetzt Turnsaal- versorgt. Dies tat uns gut, war es doch die erste Nahrungsaufnahme seit dem Frühstück! Die Kuchenplatten waren im Nu geleert und der Kaffee aus Wassergläsern schmeckte vorzüglich.

Nach Besichtigung des Hauses vom Boden bis zum Keller wanderten wir zurück zur Kirche und erlebten die in deutscher und polnischer Sprache abgehaltene Heilige Messe. Zum Schluss spielte der Organist noch das 'Ave Maria ' und sprach kurz über die deutsch-polnische Verständigung; ein Abschluss, der uns alle ergriff. Der Organist hatte uns schon vorher auf dem Friedhof auf die in einer Ecke zusammen geschobenen deutschen Grabsteine hingewiesen, die so von der Kirchengemeinde vor der vollkommenen Vernichtung gerettet worden waren.

Danach hieß es Abschied nehmen von Groß Justin und wir fuhren auf dem kürzesten Weg nach Rewahl , bezogen unsere gut eingerichteten Hotelzimmer und ließen uns das Abendbrot schmecken. Trotz der langen Fahrt, die einige schon in Ludwigshafen angetreten hatten, wurde dann noch bis tief in die Nacht geklönt und die Zeit nach dem letzten Familientag in Berlin aufgearbeitet.

2.Tag

Das Hotel „Residence“ in Rewahl, in dem wir zwei Mal übernachten wollten, lag direkt am Steilufer des kleinen Seebades, so dass wir es nur ein paar Schritte bis zum Strand hatten. Das gute Wetter lud fast jeden zu einem Spaziergang nach Hoff ein, um die von Lyonel Feininger auf seinem (oder „seinen“, denn er hat dieses Motiv oft gemalt) berühmten Gemälde verewigte Kirchenruine zu entdecken.

An diesem sonnigen Morgen wurden wir  von unserem polnischen Reiseführer abgeholt, der uns fast den ganzenTag begleiten und die Landschaft und Leute näher bringen sollte.

Unser erstes Ziel war das Ostseebad Kolberg, nachdem sich unser Bus durch Nipikow, Karnitz und Zirkwitz gezwängt hatte  (auch in diesen kleinen Orten hatten früher einmal Verwandte gelebt). Auf dem Weg dorthin und später auch auf der Rückfahrt erfuhren wir viel Interessantes und Wissenswertes über die Provinz Pommern und die Bemühungen der Menschen hier, dem Landstrich zu einem Aufschwung zu verhelfen. Dabei war aber nicht zu übersehen, dass es bisher erst die wenigen Orte an der Küste wie Kolberg z. B. geschafft hatten, sich einen bescheidenen Wohlstand durch den wachsenden Tourismus zu erarbeiten. Kleine, landwirtschaftlich geprägte Dörfer wie Groß Justin werden es sicher noch lange sehr schwer haben, hier meint man fast, die Zeit  sei nach 1945 stehen geblieben.

In Kolberg gab es viele schöne Ecken gemeinsam mit unserem kundigen Führer zu entdecken, besonders der majestätische Dom war imponierend.

Die Mittagsrast wollten dann einige unbedingt beim „Henker“ von Kolberg verbringen, während andere die ungefährlicheren Bänke des Marktplatzes vorzogen. Es trafen dann aber glücklicherweise alle wieder vollständig an unserem Bus zusammen.

Auch ein Spaziergang an der schönen Promenade von Kolberg gehört natürlich bei einem Besuch der Stadt dazu. Unsere Rückfahrt ging dann entlang der kleinen Bäderstraße von Neu Geldern nach Deep durch die typischen Kiefernwälder der Ostseeküste, eine Landschaft, die bis vor nicht allzu langer Zeit noch militärisches Sperrgebiet war.

Von der Kreisstadt Treptow an der Rega  bekamen wir leider, wie von so vielen Dingen auf dieser Reise, nur einen kurzen Eindruck, weil die Zeit nicht für mehr reichte. Am Ende dieses Tages waren wir wie am Vortag so beschäftigt damit, alle Informationen und Erlebnisse zu verarbeiten und miteinander auszutauschen, dass die Zeit am Abend wieder wie im Fluge verging.

Anhand von Claus-Michaels ausführlichem Bericht über sein Vaterhaus (der in dieser Ausgabe auch veröffentlicht wird) konnten wir an diesem geselligen Abend im Hotel lebhaft nachvollziehen, wie er und seine Familie vor dem Kriege dort gelebt hatten. Wie viel Gesprächsstoff hatten wir doch nach diesen zwei Tagen voller ungewohnter Eindrücke schon bekommen!

Auffallend bei unserer Rundfahrt war, dass immer mehr Touristen, vor allem die Deutschen, diesen noch sehr ursprünglichen Teil der Ostseeküste entdecken. Überall entstehen in den kleinen Badeorten hübsche Pensionen, die durchaus nicht leer stehen. Auch unser Hotel war bis auf den letzten Platz ausgebucht und schon wegen seiner besonderen Lage direkt am Meer unbedingt empfehlenswert.

Besonders erwähnen muss ich hier aber auch einmal, wie schön es war, dass so viele aus unserer jungen Generation dabei waren und vor allem mit so viel Eifer! Hoffe, dass Euch diese Entdeckungsfahrt genauso viel Spaß gemacht hat wie uns Älteren, auch wenn wir, notgedrungen, manchmal etwas lange im Bus sitzen mussten.

Das Programm an diesem Tag war nicht so dicht gedrängt wie am Vortag, so konnten wir auch den Abend ausgedehnt genießen in unserem schönen Hotel.

Über den dritten Tag unserer Reise berichtet uns Friedrich Franke.

3. Tag

Nach gut durchschlafener Nacht im wunderbar gelegenen Hotel "Residence" an der Ostsee in Rewahl sollte uns unsere Fahrt am 27.05.2006 zunächst nach Dramburg , einem mittelgroßen Städtchen mit übersichtlichem Marktplatz - zum Teil hübsch renoviert- und zu der großen den Ort beherrschenden Kirche führen. Vor dem Eingang zur Kirche empfing uns ein junger Pole, Daniel Puchalski, der sich bestens auskannte in der deutsch-polnischen Geschichte (Sein Großvater war deutschstämmig, geboren in Köntopf). Er hatte über Internet versucht, mit Nachfahren der von Brockhausens in Verbindung zu kommen, die in dieser Gegend einst Besitzungen hatten. Leider war die Besichtigung des Kirchenschiffes nicht möglich. Darum war es umso interessanter, das für die Familie von Brockhausen wichtige Wappenglasfenster, welches 1914 nach einem Brand des Turmes und dessen Erneuerung dort eingebaut wurde, sehen zu können.

Durch einsame unberührte Landschaften ging unsere Fahrt weiter nach Köntopf. Unser junger polnischer Begleiter wollte uns das Gutshaus Klein Mellen zeigen, das zu den früheren Besitzungen der von Brockhausens gehörte (er selbst ist dort im Ort geboren und aufgewachsen). Dieses Gutshaus beherbergt heute eine berufsbildende Schule. Das ehemalige Herrenhaus sowie der sich anschließende große Park, machten auf uns leider einen etwas vernachlässigten Eindruck. Am Ende der Parkanlage konnte man einen Gebäudekubus erkennen, versehen mit einem roten pyramidenförmigen Ziegeldach. Alsbald gelangten wir an einen kleinen See, an dessen linken Ufer ein im Fachwerkstil errichtetes Schlösschen steht (Villa Schweinshausen), welches heute eine Försterei beherbergt, früher aber als Sommersitz der Brockhausens diente, wie uns Daniel zu berichten wusste.

Auf selbiger Straße konnten wir den Weg weiter fortsetzen zum Schloß Karwitz, am Lübbesee gelegen. (Näheres über Schloß Karwitz hat unsere Cousine Marion v. Brockhausen bereits in den Familiennachrichten 2003 und 2005 geschrieben). Anschließend gelangten wir durch dichten Wald in das Gebiet des ehemaligen Gutes Mittelfelde, von dem durch Kriegseinwirkungen nur noch spärliche Gebäudereste, die aus dem Waldboden ragten, zu sehen waren. Unter überwachsendem Gebüsch sind noch Pfosten einer Toreinfahrt und Mauerfortsetzungen mit geschwungenen Mauerkronen, die mit grün glasierten Dachziegeln abgedeckt sind, in beiden Richtungen zu erkennen. Hier und da wurden auch noch von Familienmitgliedern einzelne Überreste von altem Küchengerät gefunden. Inzwischen ist alles von kleine Fachwerkkirche die Zeit unbeschadet überstanden. Heute finden noch Gottesdienste und Messen in dieser Kirche statt. Gerade in der Zeit, in der wir Hinterpommern besuchten, war Papst Benedict in Polen. Besonders in den Dörfern fielen uns die geschmückten Kreuze zu Ehren des Papstbesuches auf, die hier und da an den Straßen zu sehen waren.

Vorbei an duftenden Rapsfeldern, durch dichte Wälder führte uns unsere Fahrt nach Mehrenthin bei Woldenberg. Vor der Besichtigung des Schlosses Mehrenthin, das inmitten eines großen, gepflegten Parks, unweit eines kleinen Sees liegt, stärkten wir uns. Wir tranken Kaffe und aßen vorzüglichen Kuchen in der Destille, einem ehemaligen Wirtschaftsgebäude des Schlosses. Im Jahre 2002 wurde das sehr heruntergekommene Schloss Mehrenthin saniert. Die jetzigen polnischen Besitzer haben das Schloss im ursprünglichen Zustand wieder hergestellt. An die wechselvolle Geschichte des Schlosses, auch an die Familie von Waldow und deren Vorgänger, erinnerte ein kleiner Raum. Viele Fotos dokumentierten die aufwändigen Restaurierungsarbeiten an dem Schloss. Auf dem Weg vom Schloss über den riesigen Gutshof zurück zu unserem Bus kamen wir an dem ehemaligen Pferdestall vorbei, über dem Eingang des Stalles erkannten wir die Initialen:  v.W. 1863.

Unser letztes Ziel an dem Tag war das Schloss Wiecje bei Schwerin. Uns erwartete ein lang gestrecktes Gebäude im spätklassizistischen Stil, wunderbar saniert mit einem herrlich großen Park. Hier sollte unsere letzte Übernachtung sein. Mit einem festlichen Mahl im großen Gesellschaftssaal klang dieser erlebnisreiche Tag aus.

Der Tag der Rückfahrt war sicherlich der längste für die meisten, aber alle kamen wieder heil zuhause an, trotz Staus, Wartezeiten und Umwegen. Eine unvergessliche Reise ging viel zu schnell zu Ende !


Warning: Parameter 2 to modChrome_artblock() expected to be a reference, value given in /homepages/34/d233010665/htdocs/clickandbuilds/Joomla/Familienverband/templates/familientage150415/html/modules.php on line 39

Warning: Parameter 3 to modChrome_artblock() expected to be a reference, value given in /homepages/34/d233010665/htdocs/clickandbuilds/Joomla/Familienverband/templates/familientage150415/html/modules.php on line 39